|
Monatsgedanke Januar/Februar 2010: Gott im Chaos
|

|
Gott im Chaos
Die Chaostheorie befasst sich mit hoch komplexen, dynamischen Systemen. Mit erstaunlichen Resultaten: Auch unter scheinbar unstabilen Bedingungen finden dynamische Systeme zu einem Gleichgewicht. Es bilden sich von alleine Ordnungen. Sie sind zu finden in den Verästelungen eines Baumes oder in der Anordnung einer Galaxie.
Von Thomas Schaufelberger Das Leben selbst ist ein solches hoch komplexes System, das nach Organisation strebt. Der menschliche Körper erhält eine Temperatur von etwa 37 Grad. Das Ökosystem Wald ist dank eines ausgeklügelten Zusammenspiels von Wasser, Wärme und Lebensformen stabil. Pinguine leben in grossen Kolonien und rücken bei eisigem Wind ganz dicht zusammen, die Äusseren immer wieder nach innen lassend, um sich zu wärmen.
Wo ist Gott in all dem Chaos des Lebens? Die Antwort zieht sich wie ein roter Faden durch alle biblischen Zeugnisse und durch die Erfahrung der Menschen seit Jahrtausenden: Mitten drin! Gott ist das Leben selbst, die ordnende Kraft in allem. Gott ist das wunderschöne Muster, das sich plötzlich im Durcheinander zeigt.
In der momentan herrschenden Leistungsgesellschaft wird eine andere Geschichte erzählt. Sie hat in die Sackgasse eines ungebremsten Kapitalismus hinein geführt. Sie will den Menschen einreden, dass Gott erst dann kommt, wenn Ordnung herrscht. Nur wer sich anstrengt, nur wer es verdient hat, dem geht es gut. Nur wer Geld hat, andere Menschen kontrollieren kann und sich den Sachzwängen unterwirft, findet das Glück.
Aber diese in der westlichen Welt dominierende Geschichte ist keine Mut machende Geschichte. Sie ist nicht inspirierend und macht keinen Sinn. Und sie lehrt mich nicht, mich mit dem manchmal so chaotischen Leben zu verbinden und ihm zu vertrauen.
Die biblischen Geschichten sind Gegengeschichten. Sie erzählen, dass ich dem Leben trauen kann. Das mitten im Lebens eine Kraft präsent ist, die wir Gott nennen, auch wenn noch nicht alles geordnet und perfekt ist. Glaube heisst, das anzuschauen was vorhanden ist. Und darauf zu vertrauen, dass es genug ist für mich selber und für andere.
Diese Geschichten machen mir Mut, dass alles, was ich benötige, schon da ist. Vielleicht herrscht gegenwärtig Chaos. Aber auch im Chaos entstehen Ordnungen, die so wunderschön, so rätselhaft, so schmerzlich, so zärtlich sind, dass sie mein Leben bereichern.
|