Podcast: Gregorianische Paraphrasen zu Ostern aus der Basilika St. Clotilde in Paris

Messiaen<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchestaefa.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>141</div><div class='bid' style='display:none;'>5380</div><div class='usr' style='display:none;'>74</div>
Sehr gerne möchte ich Ihnen in diesem kurzen Text zwei Kompositionen aus dem musikalischen Stilbereich der Gregorianischen Gesänge näherbringen und vor allem auch, was sich damit mit einer gehörigen Portion Fantasie kompositorisch und improvisatorisch auf der Orgel anstellen lässt! Der gregorianische Choral ist ein ein stimmiger (monodischer), grundsätzlich unbegleiteter, liturgischen Gesang in meist und ursprünglich lateinischer Sprache. Als gesungenes Wort Gottes ist er ein wesentlicher Bestandteil der liturgischen Handlung. Das Kernrepertoire des gregorianischen Gesanges besteht aus dem Proprium und dem Ordinarium der heiligen Messe. Der gregorianischen Choral ist nach Papst Gregor dem großen benannt. Ungefähr in seiner Zeit wurde in Rom die Schola Cantorum gegründet, die für die Pflege und Weiterentwicklung der liturgischen Gesänge und des Repertoires von großer Bedeutung war. Sie sang zum Einzug des Klerus schließlich regelmäßig einen Introitus und zur Kommunion die Communio. Die Namen der Komponisten der Stücke sind jedoch nicht überliefert.

Anhand von zwei gregorianischen Gesängen möchte ich Ihnen zwei Orgelwerke des 20. Jahrhunderts vorstellen, welche sich auf gregorianische Vorlagen beziehen.

Zum einen der berühmte liturgische Ruf aus der Osternachtfeier „Lumen Christi, Deo Gratias“
. Die deutsche Fassung lautet: Christus das Licht. Der Ruf gehört zur Lichtfeier zu Beginn der Osternacht. Nachdem zuvor das Osterfeuer gesegnet und die Osterkerze bereitet wurde, wird sie vom Priester am Feuer entzündet. Anschließend wird sie in die dunkle Kirche getragen. Während der Einzugsprozession zum Altarraum erfolgt vom Diakon, dem Priester oder dem Kantor zur Erhebung der Kerze dreimal der Ruf Lumen Christi. Der Wechselruf wurzelt in den Bräuchen, die das allabendliche Entzünden der Lichter schon in der vorchristlichen Antike begleiteten. Archäologische Funde lassen vermuten, dass er zur Zeit der Alten Kirche in christlichen Familien aufgekommen ist. Eine frühmittelalterliche Handschrift bezeugt ihn auch als Abendbrauch in Benediktinerklöstern, wenn bei Einbruch der Dunkelheit das Licht in die Kirche hereingetragen wurde. Er ist somit, anknüpfend an den Prolog des Johannes-Evangeliums und das Lichtwort Jesu, Dank für die Erlösung und Bekenntnis der Hoffnung auf die Wiederkunft des Herrn. Der französische Komponist Jean Langlais, seinerseits Organist an der berühmten Basilika „Saint Clotilde“ in Paris hat über den gregorianischen Ruf „Lumen Christi, Deo Gratias“ ein Werk komponiert, welches wir von Colin Walsh, gespielt an der Orgel der Lincoln Cathedral hören können
. Colin Walsh studierte unter Anderem bei Simon Preston und Jean Langlais. Er wirkte an verschiedenen bedeutenden Organistenstellen Grossbritanniens.

Die Ostersequenz „Victimae Paschali Laudes“
ist eine lateinische Dichtung, die unter dem Namen des Dichters und Geschichtsschreibers Wipo (+nach 1046) überliefert ist. Anlässlich des Osterfestes wird die Auferstehung Jesu als Sieg des Lebens über den Tod besungen. „Victimae Paschali laudes“ gehört zu den wenigen Sequenzen, die nach der Reform des tridentischen Konzils noch beibehalten wurden. Sie wurde im römischen Ritus in den Heiligen Messen in der Osterwoche gesungen. Der Gesang der Sequenz ist obligatorisch. Der als Verfasser genannte Wipo dürfte um 995 im alemannischen Teil von Burgund oder bei Solothurn geboren worden sein. Diese Stadt gehörte zum Bistum Lausanne und dem Erzbistum Besançon. Gegen sein Lebensende zog er sich als Eremit ins bayerisch-böhmische Grenzgebiet zurück, wo er 1050 starb.

Der französische Komponist Charles Tournemire war ebenso wie Jean Langlais Organist an der berühmten Basilika „Saint Clotilde“ in Paris. Er die gregorianische Paraphrase über „Victimae Paschali Laudes“ jedoch nicht komponiert, sondern frei improvisiert. Das Werk wurde später von seinem Kollegen Maurice Durufle rekonstruiert und aufgeschrieben.
Wir hören Olivier Penin, den derzeitigen Organisten der Basilika Saint Clotilde in Paris an der 4-manualigen Orgel von Saint Clotilde in Paris
. Oliver Penin ist als Chorleiter und international tätiger Konzertorganist aktiv.
Michael Pelzel,