Kirchenglocken zum Gedenken an 75 Jahre Kriegsende am 8. Mai

Bonhoeffer —  Theologische Fakultät der Humboldt Universität zu Berlin<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchestaefa.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>385</div><div class='bid' style='display:none;'>4988</div><div class='usr' style='display:none;'>172</div>
Der 8. Mai 1945 designiert mit der „bedingungslosen Kapitulation“ der deutschen Wehrmacht das Ende des zweiten Weltkrieges. Aus Erleichterung und Dankbarkeit läuteten an manchen Orten die Kirchenglocken, so auch in Stäfa. Am 8. Mai 2020 jährt sich das Kriegsende zum 75. Mal.
Monika Götte,
Mit dem 8. Mai 1945 war der Krieg zwar formell zu Ende, doch die Wiederaufbauarbeit, das Trauma und dessen Verarbeitung begannen damit erst und ziehen sich bis heute hin.
Nun läuten am Freitag, 8. Mai 2020 wiederum die Glocken: Zum Einen im Gedenken an die vielen Opfer und die unsägliche Katastrophe, die über Millionen von Menschen gekommen ist. Zum anderen sollen sie auch heute zum Frieden mahnen. Wir möchten der aktuellen weltpolitischen Situation und der sich darin abspielenden Katastrophen gedenken: Millionen sind auf der Flucht, so viele wie seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr. Zehntausende sitzen in Flüchtlingslagern fest, niemand will sie aufnehmen. Antisemitismus und Rassismus nehmen erschreckend zu. Minderheiten werden wegen ihres Glaubens oder ihrer sexuellen Orientierung wegen verfolgt.
Die Glocken rufen also auch zu Solidarität und Engagement in Bezug auf die gegenwärtigen Kriegs- und Terrorwirren und deren Opfer auf und erinnern uns daran, unsere Verantwortung wahrzunehmen (wie es die Stäfner Jugend 1945 nach ihren Möglichkeiten auch tat, s.u.). Lange hat es gedauert, bis die Rolle der Schweiz im zweiten Weltkrieg aufgearbeitet wurde und der Mythos von der ewigen Neutralität ins Wanken geraten ist. Auch daran erinnert uns der 8. Mai – und mahnt uns zugleich, unsere Rolle im weltweiten Geschehen neu zu bedenken.
Und der 8. Mai mahnt jede und jeden einzelne bzw. einzelnen von uns, zu bedenken, wie er oder sie über z.B. über Minderheiten, "Fremde", "Flüchtlinge" denkt, wie über sie geredet wird, welches Klima wir ihnen gegenüber schaffen.

Auch die Kirche ist aufgerufen, sich mit den Opfern zu solidarisieren und sich mutig für Recht und Gerechtigkeit einzusetzen. Als die Kirche 1933 im Zuge des zunehmenden Antisemitismus vor der Frage stand, wie sie sich zu verhalten habe, fand Dietrich Bonhoeffer, dessen 75. Todestages am 9. April diesen Jahres gedacht wurde, klare Worte: "Die Kirche ist den Opfern jeder Gesellschaftsordnung in unbedingter Weise verpflichtet, auch wenn sie nicht der christlichen Gemeinde angehören." (Die Kirche vor der Judenfrage, 1933)

Die Kirchenglocken läuten: Am Freitag, 8. Mai 2020, zwischen 16:45 und 17:00 Uhr
folgende Kirchen läuten:
Evangelisch-reformierten Kirche Stäfa
Römisch-katholische Kirche Stäfa
Evangelisch-reformierte Kirche Männedorf


Aus der Stäfner Chronik zum 8. Mai 1945
Der Tag der Waffenruhe, der 8. Mai 1945, war ein prachtvoller Maientag. Er wurde von der ganzen Bevölkerung der Gemeinde in tiefernster und besinnlicher Weise begangen. Ab elf Uhr vormittags stellten alle Betriebe die Arbeit ein [...] Dem Glockengeläute der reformierten Kirche um elf Uhr schloss sich auch das Glöcklein der katholischen Notkirche im Spittelhof an. [...] Den ganzen Tag über führten die Schüler der oberen Klassen eine öffentliche Sammlung durch, die als Spende der Schweizer Jugend an die Kriegsgeschädigten im Ausland gedacht war. Am gemeinsamen Geläute im ganzen Schweizerland von abends acht Uhr beteiligten sich auch unsere Stäfner Kirchenglocken. Dem vom Kirchenrat angeordneten Dankgottesdienst im Kanton Zürich folgten die Kirchgenossen unserer Gemeinde sehr zahlreich. Das Gotteshaus war gedrängt voll. Jedermann war es ein tiefgefühltes Anliegen, von ganzem Herzen für die Verschonung unseres Landes zu danken.
Frey, Hans, Stäfa, Zweiter Band, 19. und 20. Jahrhundert, hg. von der Lesegesellschaft Stäfa, Stäfa 1969, Seite 139.

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