50 Jahre Frauenstimmrecht, Frauen in der Bibel und Beiträge zur Gleichstellung

<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchestaefa.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>385</div><div class='bid' style='display:none;'>9151</div><div class='usr' style='display:none;'>172</div>
Am 7. Februar 1971 stimmten die Schweizer Stimmbürger mit 65,7% ja zum Stimm- und Wahlrecht für ihre Mitbürgerinnen.
Monika Götte,
Am 1. Februar 1959 scheiterte die erste Volksabstimmung über das eidgenössische Frauenstimmrecht. Bei einer Stimmbeteiligung von 67 Prozent stimmten sowohl (das männliche) Stimmvolk (67%) als auch die Stände eindeutig dagegen.
Es folgten verschiedene Protestaktionen und Frauenstreiks im ganzen Land.
Heute vor 50 Jahren, am 7. Februar 1971 folgte dann ein deutliches Ja mit 65,7% und einer Stimmbeteiligung von 57,73%.

123 Jahre nach der ersten Bundesverfassung von 1848 konnten nun erstmals Schweizerinnen und Schweizer wählen und gewählt werden. Seit damals ist viel passiert auf dem Weg zur Gleichberechtigung (und das ist tatsächlich » ein Grund zum Feiern), auch, wenn wir noch nicht am Ziel sind.

Aus Anlass des 50-Jahre-Jubiläums werden in diesem Artikel verschiedene Aspekte rund um das Thema Gleichberechtigung zusammengestellt.

Pfarrerinnen in der evangelisch-reformierten Zürcher Landeskirche
Die Broschüre » Der lange Weg der Frauen ins Pfarramt von Sarah Sommer zeigt die Geschichte der Pfarrerinnen in der Zürcher Landeskirche nach. In der Zürcher Landeskirche wurden bereits 1918, also 53 Jahre vor dem Stimm- und Wahlrecht, zwei Frauen zu Pfarrerinnen ordiniert. Doch die beiden Frauen, Rosa Gutknecht und Elise Pfister, die das Theologiestudium beide mit Bestnote abgeschlossen haben, dürfen trotzdem kein Pfarramt übernehmen. Der Regierungsrat verweigert der Kirche die nötige Zustimmung, da Frauen als Nicht-Aktivbürger nicht in ein öffentliches Amt, also auch in kein Pfarramt, gewählt werden konnten. Die ganze Geschichte, die 1963 (immerhin noch 9 Jahre vor dem Stimm- und Wahlrecht für Frauen) ein "Happy Beginning" findet, können sie in der verlinkten Broschüre lesen.

Weitere Informationen
» Frauenordination in der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Zürich

» Beitrag auf Reformiert.info: Warum manche Kirchen beim Stimmrecht progressiv waren

» Verschiedene Artikel zum Thema Gleichberechtigung auf evangelisch.de

Filmtipp: Die göttliche Ordnung
Schweizer Spielfilm von 2017.
» Die göttliche Ordnung, zu sehen in der SRF-Mediathek bis am 13.2.2021

Frauen in der Bibel
Im Alten Testament sind Frauen vor allem als Mütter wichtig, so beispielsweise die Ahnfrauen Sarah, Rebekka, Lea und Rahel. Des weiteren gibt es aber auch Belege für Frauen als politische Führerinnen, so beispielsweise Deborah und Jael (s. Richter 4-5). Auch (z.T. nicht israelitische) Königinnen werden genannt, Judith (s. Buch Judith) oder die Tochter des Königs von Tyrus, die gefürchtete Isebel (s. 1 Kön 16ff).
» Frauen im Alten Testament

Besonders für das Neue Testament ist in Bezug auf Frauen die feministische Bibelauslegung bedeutsam (» Lexikonartikel Feministische Theologie). Diese möchte die Texte "gegen den Strich bürsten" und unsichtbare Frauengeschichte sichtbar machen, beispielsweise die Jüngerinnen Jesu. Sie werden nur beiläufig erwähnt, z.B. in Markus 15,40-41: Es waren aber auch Frauen da, die von ferne zuschauten, unter ihnen Maria aus Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus des Kleinen und des Jose, und Salome, die ihm gefolgt waren und ihn unterstützt hatten, als er in Galiläa war, und noch viele andere Frauen, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren. Man darf also sogar davon ausgehen, dass wohlhabende Frauen Jesus finanziell unterstützt haben.
Weiter erzählen auch alle vier Evangelien, dass der auferstandene Christus zuerst den Frauen erschien und sie sandte, die frohe Botschaft Jüngern zu verkündigen. Genau genommen waren diese Frauen, von denen Maria von Magdala als einzige bei allen vier Evangelien genannt wird, die ersten Apostelinnen. Dass auch die frühchristlichen Gemeinden nicht patriarchal organisiert wurden, sondern von Frauen und Männern geleitet wurden, ist beispielsweise in den Paulusbriefen ersichtlich, s. 1 Kor 16,19: Es grüssen euch die Gemeinden in der Asia. Es grüssen euch im Herrn ganz besonders Aquila und Priska und ihre Hausgemeinde. Die in Röm 16,7 gegrüsste Junia wird seit dem 13. Jh. und zum Teil noch bis heute in verschiedenen Bibelübersetzungen (Schlachter 2000, Rev. Elberfelder 2008 als "Junius" bezeichnet, obwohl in der Forschung weitgehender Konsens darüber herrscht, dass im griechischen Text eine Frau bezeichnet wird. Junia ist nach Röm 16,7 offenbar auch eine Apostelin: Grüsst Andronikus und Junia, meine Landsleute, die meine Gefangenschaft geteilt haben. Sie sind angesehen unter den Aposteln und haben schon vor mir zu Christus gehört. (» Lexikonartikel "Junia")
Im frühen Christentum begegnet uns also eine schon fast revolutionäre Gleichstellung von Geschlechtern, die mit Paulus folgendermassen zusammengefasst werden kann (Gal 3,26-28): 26 Denn ihr seid alle Söhne und Töchter Gottes durch den Glauben in Christus Jesus.
27 Ihr alle nämlich, die ihr auf Christus getauft wurdet, habt Christus angezogen. 28 Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau. Denn ihr seid alle eins in Christus Jesus.



Weiteres
» Beiträge des Schweizer Fernsehens zu 50 Jahren Frauenstimmrecht

Gleichstellung
» Website des Bundesamts für Statistik zur Gleichstellung von Frau und Mann

» Zur Gleichstellung von Vätern

Frauen in der Forschung
Zumindest in den sog. MINT (Mathematik-Informatik-Naturwissenschaft-Technik)-Fächern gibt es signifikant weniger forschende Frauen. Und solche, die eine Forschungskarriere anstreben, treffen immer noch auf mehr Vorurteile, Hürden und Hindernisse als ihre männlichen Kollegen. Weshalb das so ist und was Forscherinnen im Alltag erleben zeigt der » SRF-Beitrag: Frauen in der Astrophysik

Wie Geschlechterstereotypen durch Medien beeinflusst werden und wie wichtig Vorbilder sind zeigt der » Scully-Effekt
Wir freuen uns auf den ersten Beitrag.