Don Camillos stille Zwiesprache

big__don-camillo-und-peppone-box-review-004 (Foto: Michael Stollwerk)
Neulich, im Gebet, sprach der Herr zu mir.
„Sag mal, Don Camillo, warum lassen sich so viele Schafe Deiner Herde eigentlich nicht impfen?“
- „Nun, offenbar ist die Angst vor eventuellen Spätfolgen einer solchen Impfung sehr gross“, antwortete ich.
Michael Stollwerk,
„Seltsam. Und die Spätfolgen einer Corona Infektion fürchten Sie nicht?“
„Nein, Herr, die blenden sie vermutlich aus. Aber Du musst schon zugeben: Es ist wirklich alles verdächtig schnell gegangen mit dem Impfstoff.“ -
„Verdächtig schnell?! Don Camillo, darf ich Dich daran erinnern, womit Ihr mir in Euren Gottesdiensten in Stäfa und anderswo Woche für Woche in den Ohren gelegen habt?“ –
„Ja, Jesus, ich erinnere mich. Wir haben gebetet: Guter Gott, segne unsere Mediziner und Wissenschaftler, dass sie möglichst schnell einen wirksamen Impfstoff entwickeln.“
„Und genau das habe ich getan! Ich habe Eure Gebete erhört. Will mir ein Teil Deiner Herde das jetzt vorwerfen? Dass ich schnell war?“ -
„Nein, Herr, so ist es sicher nicht gemeint, aber die Risiken…“
„Bittet, so wird Euch gegeben. Suchet und Ihr werdet finden. Denn wer da bittet, der empfängt. Und wo ist unter Euch ein Vater, den sein Sohn um einen Fisch bittet, und der ihm stattdessen eine Schlange anbietet? - Don Camillo, kennst Du diese Worte?“
„Ja, Herr, Lukas 11, V.9-11.“ -
„Und warum nimmst Du sie dann nicht ernst? Hör zu, Don Camillo! Ich habe Dich zu einem Hirten dieser Gemeinde berufen, damit Du ihnen treu und aufrichtig mein Wort verkündigst. Also erinnere sie an die Macht des Gebetes und fordere sie auf, sich endlich impfen zu lassen.“
„Oh nein, Herr! Erwarte alles von mir, aber bitte nur das nicht! Sie werden ohnehin nicht auf mich hören.“
„Was soll das heissen: Sie werden nicht auf mich hören! Bist Du nun ihr Pfarrer oder bist Du es nicht?“ -
„Herr Jesus, Du verwechselt da etwas! Wir sind hier in der Schweiz und nicht in Italien oder Portugal. Und meine Herde ist nicht katholisch, sondern reformiert!“
„Was willst Du mir damit sagen, Don Camillo?“
„Damit will ich sagen, dass man hier in die Kirche geht, um sich trösten und erbauen zu lassen. Wenn ich ihre Haltung aber kritisiere, reagieren sie zum Teil sehr gereizt. Manche drohen dann sogar mit Kirchenaustritt! Glaub mir, ich weiss, wovon ich rede.“
„Sie lassen sich nicht belehren? Lieber Freund sag` mir, dass das nicht wahr ist!
Ist denn in Deiner Herde jeder sein eigener Papst? Sein eigener Experte? Seine eigene Letztinstanz?“
„Ja, Jesus, so ist es.“
„Aber spüren sie denn nicht, wohin das führt? Wenn der Einzelne sich nicht mehr hinterfragen lässt, dann wird ein Land am Ende unregierbar. Was für ein Eigensinn. Was für eine Selbstüberschätzung. Das ist doch der blanke Hochmut!“ –
„Herr, Du magst es so sehen. Aber sie nennen es anders. Sie nennen es - Freiheit.“

Daraufhin vernahm ich noch ein leises Seufzen, dann verstummte der Herr. Draussen an der Kirchentür klopfte es.

Il Don Camillo tedesco